Muschelkalk-Böden

Mit gelbem Farbton, steinig und trocken, so präsentiert sich die Oberfläche der Böden aus Muschelkalk häufig. Selbst bei einem Blick in die Tiefe dieser Böden geben sie sich als eher schwierige Weinbergsstandorte zu erkennen. Trotzdem oder gerade deshalb bringen Muschelkalkböden manchen erstklassigen Wein von eigenem Charakter hervor.
Ein hoher Tongehalt ist für diese Böden typisch. Dementsprechend sind die Reben gut mit Mineralien versorgt. Ebenso ist es für den Weinbau gut, dass sich Böden aus Muschelkalk rasch erwärmen, aber nur langsam auskühlen. Ein derartiges Verhalten ermöglichen die vielen Steine in diesen Böden. Sie heizen sich in der Sonne auf und geben die Wärme rasch weiter. Demzufolge erwärmt sich der Ton überraschend schnell, doch die dicht gelagerten Tonminerale geben die Wärme nur sehr langsam ab.

Tonige Böden aus Muschelkalk speichern relativ wenig Wasser für die Reben. Tatsächlich bleibt im Ton viel Feuchtigkeit gebunden, die aber auch der großen Saugkraft von Rebwurzeln trotzt. Dennoch finden die Weinstöcke auch in Trockenzeiten lange noch das nötige Nass, da sie mit ihren tiefreichenden Wurzeln das Wasser in den tiefen Spalten und Klüften des Muschelkalks erreichen. Einen flachgründigen Böden aus Muschelkalk nennen Bodenkundler Rendzina. Ein tiefgründiger Boden aus Muschelkalk, der Jahrmillionen alt sein kann, ist eine Terra fusca. Damit derartige „Kalksteinverwitterungsböden“ mit einer Mächtigkeit von 2 Zentimetern entstehen, müssen – grob geschätzt – 10 Zentimeter von einem Kalksteinblock durch Verwitterung gelöst werden. Dafür bedarf es etwa einen Zeitraum von 10.000 Jahren.

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Ein Blick auf die Hessigheimer Felsengärten, die hier auf Muschelkalk gedeihenden Gewächse erfreuen sich großer Beliebtheit.

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